Ehrfurcht vor dem Leben

Ehrfurcht vor dem Leben

Ehrfurcht vor dem Leben

# Andacht

Ehrfurcht vor dem Leben

Albert Schweitzer gehört zu meinen Kindheitshelden. Ich war fasziniert von diesem sogenannten „Urwalddoktor“ aus Lambarene in Zentralgabun. „Ehrfurcht vor dem Leben“, sein Lebensmotto, das kennen wir alle. In seinem kleinen Kosmos in Lambarene lebte er das überzeugend. Ein Film über sein Leben dort beeindruckte mich tief und hängen blieb mir sein Satz: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Leben, das waren für Schweitzer die Menschen, mit denen er im Dschungel lebte und die zu ihm kamen, um medizinische Hilfe zu finden. Genauso aber waren es auch die Tiere und die Pflanzen.

Am 14. Januar in diesem Jahr hätte Albert Schweitzer seinen 150. Geburtstag gefeiert. Sein Lebensmotto „Ehrfurcht vor dem Leben“ hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Seine Lebenshaltung, offen, respektvoll, mitfühlend und fürsorglich gegenüber allem verletztem Leben möchte ich mitnehmen in die Fastenzeit. Sie beginnt am kommenden Mittwoch und in dem Fastenwegweiser des 'Anderen Advent' fand ich dazu einen anschaulichen Text von Carl Roger: „Menschen können etwas ebenso Wunderbares haben wie ein Sonnenuntergang, wenn wir sie das sein lassen, was sie sind; denn vielleicht können wir einen Sonnenuntergang nur deshalb wahrhaft schätzen, weil wir ihn nicht beherrschen können. 

Wenn ich, wie neulich, einem Sonnenuntergang zuschaue, höre ich mich nicht sagen: Das Orange ein bisschen an der rechten Seite dämpfen und unten ein bisschen mehr Rot hintun und die Wolken mit etwas Rosa anpinseln! Man macht das nicht. Man versucht nicht, einen Sonnenuntergang zu manipulieren. Mit Ehrfurcht beobachtet man, wie er sich entwickelt. Ich mag mich am liebsten, wenn ich meinen Mitarbeiter, meinen Sohn, meine Tochter, meine Enkel in derselben Weise sehen kann: als sich entfaltendes Leben, vor dem ich Achtung habe.“ In meiner Bibel heißt es dazu: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ (Römer 15,7).


Zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, 22. Februar 2025

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